Leuchtendes Gehirn mit neuronalen Verbindungen in Blau-Petrol – jede Form von ADHS hat eine neurobiologische Grundlage
Alle drei Formen haben dieselbe Ursache

ADHS ist neurobiologisch bedingt. Unabhängig vom Typ zeigt das Gehirn eine veränderte Signalverarbeitung in den Bereichen, die für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Belohnungsverarbeitung zuständig sind.

Welcher Typ bin ich?

Die Einteilung basiert auf dem DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen). In Europa wird auch die ICD-11 verwendet. Beide unterscheiden ähnliche Präsentationsformen.

01
ADHS-C / Kombiniert

Kombinierter Typ

Der häufigste Typ. Sowohl Unaufmerksamkeit als auch Hyperaktivität/Impulsivität sind stark ausgeprägt. Wird oft früh erkannt, weil das Verhalten im Klassenzimmer auffällt.

~55–60 % aller ADHS-Diagnosen

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02
ADHS-I / ADS

Unaufmerksamer Typ

Ohne ausgeprägte Hyperaktivität. Träumerisch, vergesslich, schwer zu motivieren. Besonders häufig bei Mädchen und Frauen, und oft viel zu spät oder gar nicht diagnostiziert.

~25–30 % aller ADHS-Diagnosen

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03
ADHS-HI / Hyperaktiv

Hyperaktiv-impulsiver Typ

Überwiegend Hyperaktivität und Impulsivität ohne starke Unaufmerksamkeit. Seltener im Erwachsenenalter, häufiger bei jüngeren Kindern, besonders Jungen.

~15 % aller ADHS-Diagnosen

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ADHS-C: Der kombinierte Typ

Der kombinierte Typ (ADHS-C) ist die häufigste Form und zeigt Symptome aus beiden Hauptbereichen: Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität. Um diese Diagnose zu erhalten, müssen laut DSM-5 mindestens sechs Kriterien aus beiden Bereichen erfüllt sein, über mindestens sechs Monate, in mehreren Lebensbereichen.

Typische Symptome: Unaufmerksamkeit

  • Flüchtigkeitsfehler, unvollständige Aufgaben
  • Schwierigkeiten, längere Zeit konzentriert zu bleiben
  • Häufiges Verlieren von Gegenständen
  • Ablenkung durch äußere Reize
  • Vergesslichkeit im Alltag
  • Vermeidung geistiger Daueraufgaben

Typische Symptome: Hyperaktivität

  • Zappeln, Trommeln, nicht stillsitzen können
  • In Situationen aufstehen, in denen man sitzen soll
  • Reden ohne Unterlass
  • Antworten herausplatzen lassen
  • Nicht warten können
  • Andere Aktivitäten unterbrechen

ADHS-I: Der unaufmerksame Typ (früher „ADS")

Der unaufmerksame Typ ist der am häufigsten übersehene. Kein Zappeln, kein Aufstehen im Unterricht, stattdessen: träumerisches Wegdriften, endloses Aufschieben und das Gefühl, im eigenen Kopf gefangen zu sein. Diese Menschen fallen nicht auf, und genau das ist das Problem.

Warum ADHS-I so oft übersehen wird

Betroffene kompensieren oft durch hohe Intelligenz oder enormen Willenseinsatz. Sie gelten als „schüchtern", „verträumt" oder „ein bisschen schlampig". Besonders Mädchen und Frauen zeigen diesen Typ, und werden im Durchschnitt 5–7 Jahre später diagnostiziert als Jungen mit dem kombinierten Typ.

Die innere Welt ist laut, auch wenn es von außen still aussieht: Grübeln, Gedankenrasen, das Gefühl, nie wirklich bei der Sache zu sein.

Typische Alltagssituationen beim unaufmerksamen Typ:

  • Man liest eine Seite und merkt plötzlich, dass man kein einziges Wort aufgenommen hat
  • E-Mails werden geöffnet, dann vergessen, ohne Antwort
  • Aufgaben werden bis zum letzten Moment aufgeschoben, dann panisch erledigt
  • Man stellt Fragen, die gerade beantwortet wurden, weil man gedanklich woanders war
  • Hyperfokus auf interessante Themen, aber absolute Lähmung bei Pflichtaufgaben

ADHS-HI: Der hyperaktiv-impulsive Typ

Beim hyperaktiv-impulsiven Typ dominieren Hyperaktivität und Impulsivität, ohne dass Unaufmerksamkeit stark ausgeprägt ist. Dieser Typ ist im Erwachsenenalter seltener, weil sich viele Betroffene im Laufe der Zeit zum kombinierten Typ entwickeln oder die motorische Hyperaktivität nachlässt.

Kinder mit diesem Typ sind oft diejenigen, die man sich als „klassischen Zappelphilipp" vorstellt: immer in Bewegung, reden ohne Pause, handeln bevor sie denken. Im Erwachsenenalter verlagert sich Hyperaktivität häufig nach innen, als innere Unruhe, Gedankenjagen, das Gefühl, niemals wirklich entspannen zu können.

Vergleich der drei ADHS-Typen

Merkmal ADHS-C (Kombiniert) ADHS-I (Unaufmerksam) ADHS-HI (Hyperaktiv)
Häufigkeit 55–60 % 25–30 % ~15 %
Hauptsymptome Unaufmerksamkeit + Hyperaktivität Unaufmerksamkeit Hyperaktivität + Impulsivität
Häufiger bei Jungen, gemischt Mädchen, Frauen Jungen, jüngere Kinder
Alter bei Diagnose Früh (Grundschulalter) Spät (oft Erwachsenenalter) Früh (Vorschul-/Grundschule)
Auffälligkeit außen Hoch Niedrig Hoch
Soziale Schwierigkeiten Mittel bis hoch Mittel (soziale Rückzug) Hoch (Konflikte)
Schulleistung Beeinträchtigt Oft unauffällig bis beeinträchtigt Oft beeinträchtigt durch Verhalten

AuDHS und das Zusammenspiel mit Autismus

AuDHS, wenn ADHS und Autismus zusammentreffen

Neuere Forschung zeigt: ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) treten häufig gemeinsam auf. Schätzungen zufolge haben bis zu 50 % der Menschen mit ADHS auch autistische Züge – und umgekehrt. Der Begriff „AuDHS" hat sich in der Community verbreitet, um diese Überschneidung zu beschreiben.

Beide Erkrankungen teilen Merkmale wie sensorische Sensitivität, Reizfilterschwäche und Schwierigkeiten mit Exekutivfunktionen. Eine differenzierte Diagnostik ist wichtig, weil sich Behandlungsansätze unterscheiden können.

Das früher gebräuchliche „ADS" (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ohne Hyperaktivität) ist kein eigenständiger Begriff mehr im DSM-5, wird aber im deutschen Sprachraum noch oft verwendet, es entspricht dem ADHS-I (unaufmerksamer Typ).

ADHS im Lebensverlauf, wie verändert sich ADHS?

ADHS ist keine statische Erkrankung. Sie verändert sich mit dem Alter, der Umgebung und den Anforderungen des Lebens:

Kindheit (3–12 Jahre)

Motorische Hyperaktivität und Impulsivität stehen im Vordergrund. Schwierigkeiten im Kindergarten und in der Schule. Häufige Konflikte mit Gleichaltrigen und Erwachsenen.

Pubertät (12–18 Jahre)

Motorische Hyperaktivität lässt nach, innere Unruhe bleibt. Emotionale Dysregulation wird stärker. Risiko für Substanzkonsum und riskantes Verhalten steigt.

Frühes Erwachsenenalter (18–30 Jahre)

Studium, erster Job, Beziehungen, neue Anforderungen überfordern bestehende Kompensationsstrategien. Viele werden erst jetzt diagnostiziert.

Mittleres Erwachsenenalter (30+ Jahre)

Symptome können sich stabilisieren. Viele Betroffene finden Berufe und Strukturen, die zu ihnen passen. Aber Zeitdruck, Familie und Karriere können neue Herausforderungen bringen.

Wichtig: ADHS „wächst sich nicht aus". Auch wenn manche Symptome mit dem Alter abnehmen, bleibt die neurobiologische Besonderheit bestehen. Mit dem richtigen Umgang kann man jedoch sehr gut und erfüllt leben.

Häufig gestellte Fragen

Ja. Besonders der Übergang von ADHS-HI zu ADHS-C ist häufig, wenn Unaufmerksamkeit mit zunehmendem Alter deutlicher wird. Auch der Wechsel von kombiniert zu vorwiegend unaufmerksam ist möglich, wenn Hyperaktivität im Erwachsenenalter nachlässt. Die Diagnose wird immer auf der Grundlage der aktuellen Symptome gestellt.
ADS ist der ältere Begriff für den unaufmerksamen Typ ohne Hyperaktivität. Im aktuellen DSM-5 heißt dieser Typ offiziell ADHS, vorwiegend unaufmerksamer Typ (ADHS-I). Der Begriff „ADS" wird im deutschen Sprachraum noch oft benutzt, ist aber nicht mehr Teil der offiziellen Klassifikation. Inhaltlich beschreibt er dasselbe Symptombild.
Ja, das ist der unaufmerksame Typ (ADHS-I). Viele Menschen, besonders Frauen, haben ADHS ohne das typische Zappeln und die motorische Unruhe. Stattdessen zeigt sich die Störung in Gedankenrasen, Tagträumen, chronischem Vergessen und Schwierigkeiten bei der Aufgabenorganisation.
Das lässt sich pauschal nicht sagen, alle Typen sprechen gut auf Behandlung an. Allerdings wird der unaufmerksame Typ oft später erkannt und damit auch später behandelt, was den Verlauf erschwert. Der kombinierte Typ hat im Schnitt stärkere funktionale Beeinträchtigungen. Die beste Behandlung ist immer individuell abgestimmt.
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Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Einteilung in ADHS-Typen erfolgt durch qualifizierte Fachärzte auf Basis standardisierter Diagnoseverfahren.
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Quellen & weiterführende Informationen: Die Inhalte dieser Seite basieren auf den AWMF-Leitlinien zu ADHS, dem ADHS Deutschland e. V., dem ICD-11 der WHO sowie dem DSM-5 der American Psychiatric Association. Bei medizinischen Fragen wende dich bitte an qualifizierte Fachärzte.

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Ozan Aydin
Selbst ADHS-betroffen (Diagnose mit 42), Vater eines Sohnes mit ADHS, Senior Business Development Manager
Erstellt: 08.01.2026 Zuletzt geprüft: 20.03.2026 Kein medizinischer Rat KI-gestützt, redaktionell geprüft
Autor Ozan Aydin, ADHS-betroffen seit Diagnose mit 42
Letzte Aktualisierung 25.03.2026
Erstellt am 08.01.2026
Quellenbasis AWMF-Leitlinien, ADHS Deutschland e.V., PubMed
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